Kostenvoranschlag vs. qualifiziertes Kfz ‑Schadengutachten

„Ja, wenn ich das gewusst hät­te! Olaf, das musst du unbe­dingt auf dei­ne Web­site brin­gen, damit ande­ren nicht das­sel­be pas­siert wie mir.“

Fallbeispiel — Was passiert war:

Einer Bekann­ten war jemand an der Ampel auf ihr Auto gefah­ren. Bei­de Par­tei­en stie­gen aus, es war nicht viel zu sehen, man ver­zich­te­te auf die Poli­zei. Sie ließ in der Werk­statt einen Kos­ten­vor­anschlag für die Ver­si­che­rung erstel­len. Den reich­te sie ein. Spä­ter stell­te sich dann aber her­aus, dass der Scha­den viel höher war, als im Kos­ten­vor­anschlag ange­ge­ben. Die Ver­si­che­rung woll­te die­se Repa­ra­tur­kos­ten nicht über­neh­men und der Unfall­geg­ner warf ihr zu allem Über­fluss noch vor, die Kos­ten mit vol­ler Absicht nach­träg­lich erhöht zu haben.
Hät­te mei­ne Bekann­te ein Kfz-Scha­den­gut­ach­ten erstel­len las­sen, wäre ihr viel Ärger erspart geblie­ben – denn:

Was ein qualifiziertes Kfz-Schadengutachten beinhaltet:

Bei einem Gut­ach­ten wer­den alle Ihre Ansprü­che gewahrt. Ver­zich­ten Sie bes­ser nicht dar­auf.

Ein qua­li­fi­zier­tes Kfz-Haft­pflicht­scha­den­gut­ach­ten dringt viel tie­fer in die Mate­rie ein als ein ein­fa­cher Kos­ten­vor­anschlag. Es lie­fert weit­rei­chen­de und aus­sa­ge­kräf­ti­ge Infor­ma­tio­nen, die für die Scha­dens­re­gu­lie­rung essen­ti­ell sind:

  1. For­ma­le, inhalt­li­che Infor­ma­tio­nen zum Auf­trag, sowie Ent­schei­dun­gen, die auf­grund die­ser Infor­ma­tio­nen getrof­fen wer­den müs­sen
  2. Infor­ma­tio­nen über die Anwe­sen­den, die Gege­ben­hei­ten und Zustän­de der Besich­ti­gung
  3. Infor­ma­tio­nen über Fahr­zeug­iden­ti­fi­ka­ti­on, – daten und Zustän­de des Fahr­zeu­ges
  4. Infor­ma­tio­nen über den Fahr­zeug­scha­den, Scha­den­um­fang, Plau­si­bi­li­tät und Repa­ra­tur­we­ge
  5. Detail­lier­te Auf­stel­lung über die pro­gnos­ti­zier­ten Wie­der­her­stel­lungs­kos­ten und deren Bewer­tung
  6. Infor­ma­tio­nen über Repa­ra­tur­dau­er und/oder Wie­der­be­schaf­fungs­dau­er
  7. Infor­ma­tio­nen und Begrün­dung über eine evtl. Wert­ver­bes­se­rung
  8. Infor­ma­tio­nen und Begrün­dung für eine evtl. anfal­len­de kauf­män­ni­sche Wert­min­de­rung
  9. Detail­lier­te Infor­ma­tio­nen über die Fahr­zeug­wer­te
  10. Eine aus­sa­ge­kräf­ti­ge foto­gra­fi­sche Doku­men­ta­ti­on des Unfall­scha­den­er­eig­nis­ses
  11. Eine Zusam­men­fas­sung aller Ergeb­nis­se mit Inhalts­an­ga­be und Stel­lung­nah­me über die Erstel­lung des Gut­ach­tens
  12. Eine abschlie­ßen­de Fer­tig­stel­lung des Gut­ach­tens mit Infor­ma­tio­nen zu Ort, Datum, Signa­tur, Qua­li­täts­sie­gel und Stem­pel­nut­zung des Unter­zeich­ners

Was bei der Erstellung des Gutachtens zu beachten ist:

Bei einem qua­li­fi­zier­ten und pro­fes­sio­nel­len Kfz-Scha­den­gut­ach­ten muss eine drit­te, nicht sach- und fach­be­zo­ge­ne Per­son (sog. Lai­en) wie u. a. Gerich­te, Staats­an­walt­schaf­ten, Rechts­an­walts­kanz­lei­en, aber natür­lich auch jede Pri­vat­per­son, plau­si­bel nach­voll­zie­hen kön­nen, um wel­che Art von Scha­den es sich genau han­delt und anhand des Gut­ach­tens alles Wich­ti­ge zur Scha­den­re­gu­lie­rung für jeden Scha­den indi­vi­du­ell erken­nen kön­nen.

Was einen Kostenvoranschlag von einem Unfallschadengutachten unterscheidet:

Zudem ist ein qua­li­fi­zier­tes Unfall­scha­den­gut­ach­ten fle­xi­bler mit der Ver­ga­be von Kal­ku­la­ti­ons­fak­to­ren, wie z. B. Stun­den­ver­rech­nungs­sät­ze, evtl. Ersatz­teilauf­schlä­ge, Ver­brin­gungs­kos­ten und der Wahl der Prüf­schrit­te und Repa­ra­tur­we­ge. Bei einem Kos­ten­vor­anschlag dür­fen nur die fixen Wer­te des aus­stel­len­den Unter­neh­mens ver­wandt wer­den. Eine Aus­wei­tung der Repa­ra­tur­kos­ten stellt bei einem Kos­ten­vor­anschlag oft­mals ein Pro­blem dar!

Immer die Polizei rufen!

Eine Abwick­lung ohne Beweis­si­che­rung! Man­che Unfall­scha­den­er­eig­nis­se wecken den Anschein einer unkom­pli­zier­ten Abwick­lung, da sich, u. a., aus irgend­wel­chen uner­klär­li­chen Grün­den dazu geei­nigt wur­de, kei­ne Poli­zei zur Unfall­scha­den­auf­nah­me hin­zu­zu­zie­hen.

Im Nach­hin­ein kommt es jedoch, nicht gera­de sel­ten, zu Unstim­mig­kei­ten und Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, auch auf­grund der Tat­sa­che, dass jede Per­son viel­leicht befürch­tet, unge­recht behan­delt zu wer­den, indem ein Scha­den aus Sicht des Lai­en plötz­lich viel zu hoch ange­setzt wor­den ist.

Wie­so der Poli­zei­be­richt im Fal­le eines Unfalls so wich­tig ist, beschrei­be ich in einem mei­ner ande­ren Blog­bei­trä­ge.

Kostenvoranschlag — Probleme mit der Versicherung

Bei einem Kos­ten­vor­anschlag geht man als Geschä­dig­ter oder Geschä­dig­te sehr häu­fig ein hohes Risi­ko ein. Wird durch die Repa­ra­tur­werk­statt im Rah­men der Repa­ra­tur­durch­füh­rung ein wei­te­rer, unfall­be­ding­ter, ver­deck­ter Scha­den fest­ge­stellt, wei­gert sich die Ver­si­che­rung oft­mals die not­wen­di­gen Mehr­kos­ten zu über­neh­men und ver­weist auf den Kos­ten­vor­anschlag.

Die Vorteile eines Gutachtens

Bei einem Gut­ach­ten sieht die Sach­la­ge anders aus. Hier liegt das Pro­gno­se­ri­si­ko bei dem oder der Sach­ver­stän­di­gen, indem er oder sie sich bei Gut­ach­ten­er­stel­lung ein Recht auf unfall­scha­den­be­ding­te Repa­ra­tur­er­wei­te­rung vor­be­hält. Somit ist die Ver­si­che­rung in der Pflicht den Gesamt­scha­den zu über­neh­men.

Ein Kos­ten­vor­anschlag sichert kei­ne Bewei­se, da er nur Aus­sa­ge über die Unfall­scha­den­hö­he und den Repa­ra­tur­weg trifft, bzw. tref­fen darf. Ein Gut­ach­ten hin­ge­gen hat, neben der Aus­führ­lich­keit, noch den Vor­teil der Beweis­si­che­rung zum Schutz der oder des Geschä­dig­ten vor spä­te­ren Unwahr­hei­ten und einer damit ver­bun­de­nen lang­fris­ti­gen Rechts­strei­tig­keit, deren Aus­gang bei einem Kos­ten­vor­anschlag frag­lich ist.

Gutachten und Kostenvoranschlag bei Gerichtsstreitigkeit

Ein qua­li­fi­zier­tes Gut­ach­ten hat vor Gericht Bestand und dient als beweis­si­chern­des Doku­ment, wel­ches bei Bedarf auch erwei­tert wer­den darf. Ein Kos­ten­vor­anschlag stellt für den Geschä­dig­ten immer die schlech­te­re Opti­on dar. Selbst bei beid­sei­ti­gem Ein­ver­neh­men, kommt es im Nach­hin­ein oft­mals noch zu Strei­tig­kei­ten. Ein Kos­ten­vor­anschlag sichert kei­ne Bewei­se, beinhal­tet kei­ner­lei Fahr­zeug­wer­te und gibt dem Ver­si­che­rer somit, mehr oder weni­ger, eine freie Hand über das Eigen­tum der oder des Geschä­dig­ten zu ent­schei­den.

Fazit

Ein qua­li­fi­zier­tes Kfz-Gut­ach­ten wird unab­hän­gig, unpar­tei­isch und objek­tiv im Sin­ne und für die Belan­ge des Geschä­dig­ten nach §249 BGB erstat­tet und dient als Grund­la­ge für die Scha­den­ab­wick­lung mit dem ein­tritts­pflich­ti­gen Haft­pflicht­ver­si­che­rer und zudem noch als beweis­si­chern­des Doku­ment mit Bestand vor Gericht.

And the win­ner is …

G U T A C H T E N

- kla­rer Punkt­sie­ger mit 12:0 Punk­ten gegen­über dem Kos­ten­vor­anschlag.

Übri­gens: Mei­ne Bekann­te ist jetzt nicht nur fit in Eng­lisch, son­dern auch im Kfz-Gut­ach­ten-Dschun­gel.

Ihr Olaf Hel­le