Facetten der Haftpflicht — Wie man sich am besten gegen Haftungsrisiken versichert

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Olaf Helle

Olaf Helle

zertifizierter Kfz-Sachverständiger mit Leib und Seele seit 2008
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Kfz-Techniker Meister
Karosserie- und Fahrzeugbau Meister Handwerk
Betriebswirt im Handwerk

Die letz­ten Blät­ter fal­len, Tem­pe­ra­tu­ren im Minus­be­reich sor­gen für über­frie­ren­de Näs­se und manch­mal liegt auf den Stra­ße sogar Schnee – ja, man soll­te den Win­ter nicht nur mit Glüh­wein und Plätz­chen, son­dern auch mit Vor­sicht genie­ßen. 

Auto- und Zwei­rad­be­sit­zer (dazu gehö­ren auch E‑Bikes ab 25 km/h!) wis­sen, dass die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung vor­ge­schrie­ben ist. Aber wie schützt man sich gegen ande­re pri­va­te Haf­tungs­ri­si­ken? Wel­che Ver­si­che­run­gen sind Pflicht, wel­che sinn­voll?

Gesetzliche Regelung — Wann haftet man?

Grund­sätz­lich sind Haf­tung und Scha­dens­er­satz in § 823 (1) BGB gere­gelt:

Wer vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig das Leben, den Kör­per, die Gesund­heit, die Frei­heit, das Eigen­tum oder ein sons­ti­ges Recht eines ande­ren wider­recht­lich ver­letzt, ist dem ande­ren zum Ersatz des dar­aus ent­ste­hen­den Scha­dens ver­pflich­tet.

Ganz schön sper­rig, die­ses Juris­ten-Deutsch. Aber auch span­nend, wenn man sich genau­er damit beschäf­tigt und sich die Aus­wir­kun­gen auf unser täg­li­ches Leben ver­deut­licht. Fährt man bei­spiels­wei­se mit dem Fahrrad/Pedelec (E‑Bike bis 25 km/h!) in ein Auto, dann muss man den ent­stan­de­nen Scha­den erset­zen. Dabei ist es egal, ob der Unfall nur aus Ver­se­hen pas­siert ist; laut Gesetz hat man fahr­läs­sig gehan­delt und muss für den Scha­den auf­kom­men.

Haftpflichtversicherungen im Überblick

Privathaftpflichtversicherung

Gut, wenn man dann über eine Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung abge­si­chert ist, denn ohne Ver­si­che­rungs­schutz haf­tet man grund­sätz­lich mit dem gesam­ten Ver­mö­gen. Eine Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung deckt im Ver­si­che­rungs­fall Sach‑, Per­so­nen- und Ver­mö­gens­scha­den­for­de­run­gen ab, die Drit­te an einen stel­len. Sie ist zwar nicht gesetz­lich vor­ge­schrie­ben, aber prin­zi­pi­ell unent­behr­lich!

Tierhaftpflichtversicherung

Schuld­haft han­delt man auch, wenn das eige­ne Tier eine Sache beschä­digt oder gar einen Men­schen ver­letzt. Unge­ach­tet der Umstän­de greift auch hier das Prin­zip der Fahr­läs­sig­keit und man muss für den Sach- und Per­so­nen- bzw. Ver­mö­gens­scha­den auf­kom­men. Daher ist für Tierhalter*innen, ins­be­son­de­re wenn es sich um grö­ße­re Tie­re wie Pfer­de oder Hun­de han­delt, eine Tier­hal­ter­haft­pflicht­ver­si­che­rung (THV) sinn­voll. In sechs Bun­des­län­dern (Ber­lin, Bran­den­burg, Ham­burg, Nie­der­sach­sen, Thü­rin­gen und Schles­wig-Hol­stein) ist die Hun­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung gene­rell vor­ge­schrie­ben, in NRW und wei­te­ren acht Bun­des­län­dern ist sie für bestimm­te Ras­sen Pflicht (z. B. Pit­bull Ter­ri­er oder Bull­ter­ri­er).

Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung u. Bauherrenhaftpflichtversicherung

Auch von Gebäu­den kön­nen Risi­ken aus­ge­hen. Hausbesitzer*innen haf­ten für Schä­den, die bei­spiels­wei­se durch her­un­ter­fal­len­de Dach­zie­gel an Sachen oder Per­so­nen ent­ste­hen. Die finan­zi­el­len Fol­gen kön­nen enorm sein. Die Haus- und Grund­be­sit­zer-Haft­pflicht­ver­si­che­rung emp­fiehlt sich immer dann, wenn Haus oder Gebäu­de ver­mie­tet oder Drit­ten über­las­sen wer­den. Wohnt man selbst in einem Haus, dann sind vom Gebäu­de aus­ge­hen­de Schä­den  durch die Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung abge­deckt (Ach­tung: Sturm o. Ä. als Ursa­che ist meist nicht mit­ver­si­chert). Wäh­rend der Bau­pha­se kann eine Bau­her­ren­haft­pflicht­ver­si­che­rung sinn­voll sein, sie ver­si­chert Risi­ken, die z. B. durch einen umfal­len­den Bau­zaun ent­ste­hen.

Sonstige Haftpflichtversicherungen

Je nach per­sön­li­cher Situa­ti­on kann eine Gewäs­ser­scha­den-Haft­pflicht­ver­si­che­rung, Jagt-Haft­pflicht­ver­si­che­rung oder Was­ser­sport-Haft­pflicht­ver­si­che­rung Sinn machen.

Fazit

Ich hof­fe, ich konn­te etwas Licht ins Dickicht des Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­dschun­gels brin­gen. Was beson­ders oft über­se­hen wird: E‑Bikes, die mehr 25 km/h fah­ren, wer­den recht­lich wie Klein­kraft­rä­der behan­delt. Für sie sind nicht nur die Fahr­erlaub­nis und ein Kenn­zei­chen, son­dern auch eine Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung gesetz­lich vor­ge­schrie­ben.

Ich wün­sche Ihnen eine wun­der­ba­re Weih­nachts­zeit und eine siche­re Fahrt ins neue Jahr!

Ihr Olaf Hel­le